Musikalisches Feuerwerk beim Jubiläumskonzert am 22. 11. 2025

40 Jahre Akkordeonorchester der Sing- und Musikschule Emertsham gebührend gefeiert

Emertsham. Ein klingendes Jubiläum feierte kürzlich das „Akkordeonorchester Emertsham“ anlässlich seines „40-jährigen“ Bestehens. Die 40 Musiker der vier verschiedenen Orchesterformationen unter der Leitung von Helmut Jahn und das „Akkordeon-Orchester Chiemsee“ unter dem Dirigat von Martin Schultheiss brillierten im Postsaal Trostberg vor ausverkauftem Haus.  

Mit dem Motto des Jubiläumskonzertes „Look back“ eröffnete das jugendliche „Akkordeonorchester II“ mit dem gleichnamigen von Helmut Jahn komponierten Titel den Konzertreigen. Unter der erfrischenden Moderation von Rosina Rollfinke, welche als Lehrerkollegin von Helmut Jahn für die Ausbildung der Gitarrenschüler an der Sing- und Musikschule Emertsham zuständig ist, wurden in der Folge mit diversen rückblickenden Bildpräsentationen nostalgische Gefühle bei vielen ehemaligen Orchestermitgliedern und deren Eltern im Publikum geweckt. Bei der musikalischen Orchesterausbildung ist Helmut Jahn die rhythmische Schulung im Bereich der modernen, zeitgemäßen Literatur wie Rock und Pop besonders wichtig. So musizierten mit viel Spaß die Nachwuchs-Kids die von Helmut Jahn arrangierten Titel „Opening“, „Westcoast-Rock“ und als Zugabe „Rock’n Roll is back“. In Vorbereitung auf die Fusion des zweiten mit dem ersten Orchester folgten im Anschluß die zwei popigen Stücke „Hollywood Hills“ von Sunrise Avenue und „Never Never“ von Drenchill, gespielt vom „Akkordeonorchester II und I“, welche eine äußerst beachtliche Einheit bei den rhythmisch fordernden Titeln bildeten.

Das „Akkordeonorchester I der Sing- und Musikschule Emertsham“ brillierte unter der Leitung von Helmut Jahn (links im Bild) beim „40-jährigen Jubiläumskonzert“ im Postsaal Trostberg zusammen mit ehemaligen Orchesterspielern in der Besetzung „Einst und jetzt“. Das begeisterte Publikum quittierte die grandiose Leistung mit langanhaltendem Applaus. (Foto: Peter Bichler)

Ganz andere Literatur für das Akkordeonorchester bot im Anschluß als Gastorchester das „Akkordeon-Orchester Chiemsee“ unter der Leitung von Martin Schultheiss. Als erstes musizierten die zehn Musiker, welche alle rund um den Chiemsee beheimatet sind, in einer federleichten Interpretation das Walzerstück „Belle of the ball“ von Leroy Anderson. Der von Ian Watson komponierte „Two Tango“ erinnerte danach an Astor Piazzolla, den Meister des „Tango nuevo“. Mit dem Titel „Cubanola“ des Akkordeonvirtuosen Pietro Frosini entführte das „AO Chiemsee“ das Publikum dann gedanklich in die Karibik, genauergesagt in die Straßen von Havanna nach Kuba. Nach den temperamentvollen süd- und mittelamerikanischen Rhythmen ging die musikalische Reise als Kontrast nach Irland. „The Londonderry Air“, welche als inoffizielle Nationalhymne bei Veranstaltungen in Nordirland verwendet wird, versprühte in der gefühlvollen Interpretation mit Mundharmonika-Solist Richard Christlmaier viel Herzenswärme unter den Zuhörern. Schließlich begeisterte die von Martin Schultheiss mit präzisem Dirigat geführte Formation beim  jiddischen Klezmerstück „Mazel tov“ in seinem reich an Tempowechseln gestalteten Arrangement von Markus Fink das Publikum so sehr, daß sie um eine Zugabe nicht herum kam. Nach der kleinen musikalischen Weltreise bedankte sich das „Akkordeon-Orchester Chiemsee“ für den reichhaltigen Applaus noch passend mit dem Titel „What a wonderful world“, dem einstigen Welthit von Jazz-Trompeter Louis Armstrong.

Nach der Pause betrat dann unter den Klängen von Georg Friedrich Händels „Feuerwerksmusik“ das „Akkordeonorchester Emertsham I“ die Bühne. Und ja, das Jubiläumsorchester mit derzeit 19 Spielern, brannte wahrlich ein Feuerwerk an bekannten Melodien, vornehmlich aus dem Bereich der Popmusik ab. Nach dem Eröffnungstitel „1980-F“ der Gruppe „After the fire“ blickte man in die Anfangszeit der Sing- und Musikschule Emertsham, in die 80ger Jahre zurück. Im Gründungsjahr 1985 leitete damals Helmut Patermann das Akkordeonorchester der Musikschule Emertsham, welches er dann 1988 an Helmut Jahn, Absolvent am Hohner-Konservatorium im Mekka der Akkordeonlehrer-Ausbildung in Trossingen, übergab. Neben vielen Auftritten in den umliegenden Gemeinden ging das Emertshamer Akkordeonorchester auch immer wieder auf Reisen im In- und Ausland. So erinnerte der anschließend dargebotene temperamentvolle „Zigeunertanz“ von Hans-Jürgen Schmid an die schöne Konzertreise 1993 nach Ungarn mit dem großartigen Auftritt in der Sporthalle von Pécs vor 3000 Zuhörern. Das populäre „Hallelujah“ des kanadischen Singer-Songwriters Leonard Cohen stand danach gleich für drei Erinnerungspunkte. Zunächst gedachte man der leider verstorbenen ehemaligen Orchestermitglieder Josef Gruber aus Kienberg und Schlagzeuger Werner Ortbauer aus Polling. Desweiteren war dieses Stück auch Erinnerung an einige besondere Kirchenkonzerte und aber auch an viele festlich gestaltete Orchesterspieler-Hochzeiten. Jedoch gab es neben den Hochzeitsfeiern auch viele andere Gelegenheiten für diverse Feierlichkeiten, sowie auch gemeinsame Freizeit-Ausflüge, welche das gesellige Beisammensein und die Orchestergemeinschaft festigten. Nach dem Motto „Es lebe das Leben“ spielte man hierzu passend das Stück „Viva la Vida“ von Coldplay in einem Arrangement von Rudi Braun. Der nächste Titel „Bella Ciao“ spiegelte in der folgenden Bearbeitung von Bernd Glück mit seinen diversen Tempowechseln  das „Auf und Ab“ in den vielen Orchesterjahren, in denen man immer wieder Spielerabgänge zu verkraften hatte, die mit einer kontinuierlichen Nachwuchsausbildung kompensiert werden mußten. Mit Tina Turners Erfolgshit „The Best“ erinnerte man sich an die schönen Erfolge bei Kritikspielen, welche das Orchester immer durch lehrreiche Jurybesprechungen musikalisch voranbrachte. Neben vier Teilnahmen beim „World Music Accordion Festival“ in Innsbruck konnte man sich auf Landesebene beim „Bayerischen Akkordeonorchester-Wettbewerb“ fünf Mal einen 1. Platz erspielen und wurde in den 40 Jahren insgesamt mit 10 Pokalen ausgezeichnet.

Höhepunkt des Abends war dann das Orchester „Einst und jetzt“, bei dem, verstärkt durch eingeladene ehemalige Orchesterspieler, die Formation auf beeindruckende 30 Mitwirkende anwuchs. Als einziges ehemaliges Orchestermitglied im Gründungsorchester war auch Alexandra Preintner aus Emertsham dabei. Die Tochter des leider verstorbenen Gründungsvaters und langjährigen Musikschulleiters der Sing- und Musikschule Emertsham Andreas Mayr freute sich sehr über die Einladung und genoß ihren Auftritt. Der symphonisch anmutende Orchesterklang bei der Pop-Hymne „Music“ von John Miles und den folgenden Zugaben „Life is Live“ von Opus und „We are the Champions“ von Queen begeisterte das Publikum, welches mit langanhaltendem Applaus die grandiose Leistung aller Mitwirkenden würdigte.

Ihm Rahmen des Konzertes wurden auch folgende Spieler für ihr langjähriges Engagement im „Akkordeonorchester der Sing- und Musikschule Emertsham“ mit einem Präsent, sowie einer Urkunde und Ehrennadel des „Deutschen Harmonika-Verbandes“ geehrt:

20 Jahre: Andrea Götzberger (Harpfing/Schnaitsee)

30 Jahre: Cornelia Trentl (Garching a. d. Alz)

500 AO-Proben: Georg Jäger (Kirchweidach) / Cornelia Forster (Garching/Alz) / Jürgen Wörgant (Zeilarn/Rottal-Inn)

Mit Schwung und Pep Jubiläum gefeiert 25. 10. 2025

40 Jahre Sing- und Musikschule Emertsham – Festakt mit Rückblick und Bigband Sound – Dank an Musikschulleiterin Uli Wiedmann-Feichtl

Kienberg/Emertsham. 40 Jahre musikalische Bildung, kulturelles Engagement und lebendige Gemeinschaft, das sei schon etwas ganz Besonderes, sagte Bürgermeister Werner Disterer beim Festakt der Sing- und Musikschule Emertsham, die ihre Feier dazu im Bürgersaal des Gasthofes „Zur Post“ in Kienberg ausrichtete. Vorstand der Musikschule Benno Huber freute sich, dass viele dieses besondere Jubiläum mitfeiern und begrüßte insbesondere die Gäste aus der Gründungszeit die 40 Jahre Musikschulgeschichte mit geprägt haben. Dabei erinnerte er auch an diejenigen, die bereits verstorben sind, aber in der Musikschulgeschichte für immer unvergesslich bleiben.

Mit einem Blumenstrauß dankten Vorsitzender Benno Huber und seine Stellvertreterin Elisabeth Berndlmaier (rechts) Ulrike Wiedmann-Feichtl für ihre Arbeit. Die Leiterin der Musikschule leitet auch das Streichorchester.

Für einen elegant swingenden, schmetternden, jazzigen Sound sorgte die Big Band der Musikschule mit Leiter Leopold Gnedel und mit ihren zwei stimmgewaltigen Sängerinnen Lisa und Regina zwischendrin immer wieder für musikalischen Hochgenuss. 

Wie Vorstand Benno Huber berichtete, reifte vor über 40 Jahren der Gedanke zur Gründung einer Sing- und Musikschule in Emertsham. Treibende Kräfte dazu waren der damalige Bürgermeister Josef Breu, Andreas Mayr sen. und der damalige Landrat Leonhard Schmucker. In Emertsham gab es zu diesem Zeitpunkt bereits einen Musizierverein. So wurde am 21. März 1985 zur Gründungsversammlung  ins Gasthaus Spirkl eingeladen, wobei bereits 112 Mitgliedern gewonnen werden konnten. Erster Vorstand wurde Ludwig Holzner, sein Stellvertreter Josef Breu. Schatzmeisterin war Agnes Erl, Schriftführer Manfred Zeuner und Beisitzer Konrad Gsinn, Anton Vorsamer und Thomas Kapsner.  Zu Beiräten wurden Marianne Wimmer, Sebastian Lipp, Rudolf Becher, Adelheid Mayerhofer und Lutz Rothe gewählt. Die Musikschule wurde als Verein mit Trägerschaft der Gemeinde Tacherting gegründet. Hiermit sollten die rechtlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für den Betrieb einer Musikschule geschaffen und sichergestellt werden. Mit 177 Schülern und sieben Lehrkräften wurde nach der Gründung im Frühjahr 1985 das erste Schuljahr bewältigt. Im Laufe der Zeit steigerten sich die Schülerzahlen auf durchschnittlich mehr als 500 pro Jahr. Derzeit beschäftigt die Musikschule 13 Lehrkräfte. Seit ihrer Gründung hatte die Musikschule mit Andreas Mayr und ab 2006 mit Uli Wiedmann-Feichtl nur zwei Musikschulleitungen, der Trägerverein mit Ludwig Holzner, Konrad Brand und Benno Huber nur drei verschiedene Vorstände. Das zeichne die Beständigkeit der Musikschule aus, so Huber. 

Wie Bürgermeister Werner Disterer sagte, erfülle es ihn mit Stolz, dass er der Musikschule als bedeutende Institution zum runden Geburtstag gratulieren darf. So sei die Sing- und Musikschule mehr als ein Ort des Lernens – sie sei ein Ort der Inspiration, der Kreativität und der Zusammengehörigkeit. Sie verbindet Generationen, überwindet Sprachgrenzen und macht die Gemeinde lebenswerter. Seit der Gründung vor 40 Jahren habe sich die Sing- und Musikschule zu einem unverzichtbaren Teil des kulturellen Lebens entwickelt. Unzählige Kinder, Jugendliche und Erwachsene haben so Zugang zur Musik gefunden und das oft ein Leben lang. Sie wurden gefördert, gefordert und begleitet. Und das mit Begeisterung, mit Kompetenz und mit Herzblut. Musik, so Disterer weiter, sei ein unschätzbarer Teil unseres kulturellen Erbes und die Sing- und Musikschule sorgt seit 40 Jahren dafür, dass dieses Erbe lebt und weitergegeben wird. Disterer zitierte dazu Zeilen aus der Homepage der Sing -und Musikschule. „Musik kann Brücken bauen, man lernt aufeinander hören, sich ausdrücken und mitteilen. In diesem Sinne geben wir regelmäßig Konzerte, Vorspiele und wirken bei verschiedensten Veranstaltungen mit. Wir verstehen uns als lebendiger Teil des Kulturlebens der Gemeinde und der Region. “ Und diese Worte, so Disterer könne er nur unterstreichen. „Ihr seid ein lebendiger Teil des Kulturlebens – auch über die Region hinaus. Eure Konzert sind hochklassig und gut besucht, eure Schüler oder Ensembles erreichen bei den Vorspielen regelmäßig Auszeichnungen und tragen so auch den Namen der Gemeinde Tacherting positiv besetzt über die Grenzen hinaus.“ Zuletzt bedankte sich der Bürgermeister bei allen, die diese Erfolgsgeschichte möglich gemacht haben und wünschte für die Zukunft weiterhin  alles Gute und Erfolg – kreative Impulse, offene Ohren und noch viele klangvolle Jahre voller Musik und zahlreiche neue musikalische Kapitel in ihrer Geschichte.

Der Kulturreferent des Landkreises Traunstein Stephan Hüfner schloss sich weitgehend den Worten des Vorredners an. „Ihr leistet für die Gemeinschaft einen großen Beitrag.“ Dabei sehe er als wichtigste Botschaft, das kulturelle Erbe zu bewahren, junge Menschen für Musik zu begeistern, sich darauf einzulassen und lernen miteinander, was miteinander heißt.“ Das „sich auf etwas einlassen“, ist das was er in der heutigen Gesellschaft weitgehend vermisse. Das „sich darauf einlassen“, die lebendige Tradition der Musik zu pflegen, weil es wertvoll und kostbar ist, in die Zukunft getragen zu werden.

 Vorstand Huber zeigte in einer Präsentation über die Jahre gelebte Musikschule auf und erinnerte an viele Ereignisse und Veranstaltungen. Als einen der Höhepunkte der gesamten 40 Jahre Musikschule nannte die die Einladung des Vatikans. Hier durfte der Musikschulchor und das Orchester die 1400-Jahr Weihefeier des Pantheons in Rom musikalisch ausgestalten. Ein besonderes Highlight war auch das Konzert im Martinsdom in Venedig. Dazu nannte er auch die Kirchenkonzerte, wie das Weihnachtskonzert, Passionskonzert  oder das Unicef-Konzert, wo regelmäßig über 2000 Euro für die Sache eingespielt werden. Daneben erwähnte er die Bigband, das Akkordeonorchester und weitere Ensembles die immer wieder mit großartigen Konzerten aufhorchen lassen und unzählige verschiedene Veranstaltungen in der Gemeinde musikalisch mitgestaltet haben. Ein besonderes Novum hatten die  jährliche „Musiknacht“ im Freien neben dem Musikschulgebäude, wo alle Vereinsfunktionäre tatkräftig mitarbeiten durften.

Zuletzt bedankte sich Huber bei der Gemeinde für die finanzielle Förderung, die unkompliziert im Gemeinderat abgesegnet wird. Ebenso danke er dem Landkreis, der eine Kürzung in allen Bereichen beschlossen hat, aber die Musikschulen dabei ausgenommen hat.

Sein besonderer Dank galt den viel zu früh verstorbenen ehemaligen Musikschulleiter Andreas Mayr, der das Musikschulleben geprägt habe, wie kein anderer und in rund zehn Jahren Arbeit eine Chronik über die Musikschule mit vielen Ordner Inhalt zusammen getragen hat. Zuletzt dankte er der aktuellen Musikschulleiterin Uli Wiedmann-Feichtl, die ihm in allen Bereichen zuarbeitet und so die Vorstandsarbeit um vieles vereinfacht. Dafür überreichten ihr Elisabeth Berndlmaier, stellvertretende Vorsitzende und Vorstand Benno Huber einen großen Blumenstrauß.

Zum Ausklang sorgte die Bigband aus ihrem reichhaltigen Repertoire nochmals mit sattem Sound und wunderbarem Gesang für Furore und viel Applaus.

Text und Bild: Marianne Herbst